Arbeitsschutz – Persönliche Schutzausrüstung richtig wählen
Zuletzt aktualisiert: Juni 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten
Arbeitsschutz wird oft unterschätzt – bis etwas passiert. Dabei ist persönliche Schutzausrüstung (PSA) die letzte und wichtigste Sicherheitslinie zwischen dem Menschen und der Gefahr. Ob Privatperson beim Heimwerken, Handwerker auf der Baustelle oder gewerblicher Anwender: Die richtige PSA schützt vor dauerhaften Schäden an Augen, Gehör, Atemwegen, Händen und Füßen. Dieser Ratgeber erklärt, was zu welcher Arbeit gehört und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Die 6 Schutzausrüstungs-Bereiche im Überblick
1. Augenschutz – Schutzbrille & Gesichtsschutz
Das Auge ist besonders verletzungsgefährdet – Späne, Spritzer, Stäube und UV-Strahlung beim Schweißen können zu dauerhafter Sehbeeinträchtigung führen. Die wichtigsten Produktkategorien:
- Korbbrille (geschlossen): Schutz gegen Flüssigkeitssplatter und Staubpartikel, z. B. beim Trennschleifen oder Arbeiten mit Chemikalien. Norm: EN 166.
- Schutzbrille (offen): Für Schleif- und Bohrarbeiten ohne Flüssigkeitsgefahr. Leichter, beschlagsarm, oft über Korrektionsbrillen tragbar.
- Gesichtsschutzschirm: Beim Schreddern, Häckseln, Kreissägen oder Betonbearbeitung – schützt das gesamte Gesicht vor groben Partikeln.
- Schweißerschutzglas/-Helm: Lichtbogenschutz in Schutzstufen 9–13; automatische Verdunkelungshelme (ADF) bieten maximalen Komfort.
Kauftipp: Achten Sie auf Kratzfestigkeit (Beschichtung K), Antibeschlag (Beschichtung N) und CE-Kennzeichnung nach EN 166. Entspiegelte Gläser reduzieren Ermüdung bei langen Arbeitstagen.
2. Gehörschutz – ab 85 dB(A) Pflicht
Dauerhafter Lärm über 85 dB(A) schädigt das Gehör irreversibel. Kreissägen erreichen 100 dB, Trennschleifer 110 dB – ohne Schutz ist bleibender Hörverlust vorprogrammiert. Gehörschutz gibt es in drei Ausführungen:
SNR-Wert: Der Single Number Rating-Wert gibt die Dämmwirkung in dB an. Bei 105 dB Lärm und SNR 30 wirken effektiv ca. 75 dB – im sicheren Bereich.
3. Atemschutz – Stäube, Dämpfe und Fasern
Atemwegserkrankungen durch Stäube (Holz, Beton, Quarz) zählen zu den häufigsten Berufskrankheiten. Die drei Filterklassen der Partikelfiltermasken:
- FFP1: Schutz vor groben Stäuben und Aerosolen (Gipsstaub, Kompost). Abscheidegrad ≥ 80 %.
- FFP2: Für feinere Partikel, Holzstaub, Zementstaub und biologische Gefahren. Abscheidegrad ≥ 94 %. Standard auf Baustellen.
- FFP3: Höchste Schutzklasse für Asbestfasern, karzinogene Stäube, radioaktive Partikel. Abscheidegrad ≥ 99 %.
Für Lacke, Lösungsmittel und organische Dämpfe brauchen Sie Kombinations-Halbmasken mit A1-, A2- oder ABEKFiltern. Vollmasken bieten Augen- und Atemschutz kombiniert – ideal bei Spritzarbeiten.
4. Handschutz – der richtige Handschuh für jede Aufgabe
Hände sind das am häufigsten verletzte Körperteil bei Werkstatt- und Bauarbeiten. Ein Handschuh ist jedoch nicht gleich ein Handschuh:
- Mechanikhandschuh: Für allgemeine Montage-, Schleif- und Sägearbeiten. EN 388: Abrieb, Schnitt, Weiterreißen, Durchstechen – achten Sie auf hohe Kennzahlen.
- Schnittschutzhandschuh: Pflicht beim Umgang mit Kreissägen und Messerklingen. Klasse B (EN ISO 13997) bis Klasse F für maximalen Schnittschutz.
- Chemikalienschutzhandschuh: Nitril für Öle und Kraftstoffe, Butyl für Lösungsmittel, PVC für Säuren. Einweghandschuhe nur für kurzen Kontakt.
- Hitzeschutzhandschuh: Beim Schweißen, Grillen oder Arbeiten an heißen Oberflächen. Leder oder Aramid (Kevlar) für hohe Temperaturen.
- Kälteschutzhandschuh: Gepolstert und isolierend für Außenarbeiten im Winter – Mobilität und Griffigkeit müssen erhalten bleiben.
5. Fußschutz – Sicherheitsschuhe & Stiefel
Sicherheitsschuhe werden nach EN ISO 20345 klassifiziert. Die wichtigsten Schutzklassen:
Zehenschutz (200 J), antistatisch, kraftstoffbeständige Sohle
S1 + Wasserdichtigkeit der Obermaterialien (nicht nahtdicht)
S2 + Durchtrittschutz (Stahlzwischensohle gegen Nägel). Standard Baustelle.
S3 + Wasserdichte Naht, Stiefelschaft, für nasse Einsatzbereiche
Moderner Tragekomfort: Composite-Kappen (ohne Metall, leichter als Stahl), Ortholite-Fußbetten, atmungsaktive Membranmaterialien. Sicherheitsschuhe müssen nicht unbequem sein.
6. Kopfschutz & Körperschutz
Schutzhelm (EN 397): Pflicht auf Baustellen mit Absturz- und Aufprallgefahr. Kunststoffschalen mit Textilaufhängung oder Ratschensystem, optional mit Visier- und Gehörschutzanbindung. Helme haben ein Ablaufdatum (3–5 Jahre) – regelmäßig ersetzen!
Warnschutzkleidung (EN ISO 20471): Klasse 1–3 nach Sichtbarkeitsanforderung. Klasse 2 (Weste oder Jacke) ist auf öffentlichen Straßen und Baustellen Standard. Retroreflektierende Streifen sichern die Sichtbarkeit auch bei Dämmerung.
Schnittschutzkleidung: Für Arbeiten mit Motorsägen vorgeschrieben – Schnittschutz-Hosen und -Jacken nach EN ISO 11393 mit Kategorie 1–3.
PSA-Checkliste nach Tätigkeit
| Tätigkeit | Auge | Gehör | Atem | Hand |
|---|---|---|---|---|
| Schleifen | ✅ Korbbrille | ✅ ab Winkelschleifer | ✅ FFP2 | ✅ Mechanik |
| Bohren (Beton) | ✅ Schutzbrille | ✅ Kapsel | ✅ FFP2 | ✅ Mechanik |
| Schweißen | ✅ Schweißhelm | ✅ Stöpsel | ✅ Kombination | ✅ Hitzeschutz |
| Sägen (Holz) | ✅ Visier | ✅ ab Kreissäge | ✅ FFP2 | ✅ Schnittschutz |
| Lackieren/Streichen | ✅ bei Spritzen | — | ✅ ABEK-Filter | ✅ Chemie |