Steckdosen nachrüsten: Selbst einbauen oder Elektriker – was ist wann erlaubt?
Das Verlängerungskabel liegt quer durch den Raum, die Mehrfachsteckdose ist bereits mit sieben Geräten belegt – dann ist es Zeit für eine neue Steckdose. Aber was darf man selbst machen, was erfordert einen Fachbetrieb?
Die rechtliche Lage in Deutschland
In Deutschland gibt es kein generelles Gesetz, das Privatpersonen Elektroarbeiten verbietet. Allerdings gilt: Wer Elektroinstallationen im eigenen Haus vornimmt, handelt auf eigene Gefahr und muss sicherstellen, dass alle Arbeiten den geltenden Normen (VDE 0100) entsprechen. Für Mieter gilt: Eingriffe in die Elektroanlage bedürfen der Genehmigung des Vermieters und sind faktisch Fachbetrieben vorbehalten.
Was Laien tun dürfen
- Glühbirnen und Leuchtmittel wechseln
- Stecker und Kupplung ersetzen (Standard-Schuko, zugentlastet)
- Aufputz-Steckdosen auf vorhandene Leerrohre aufsetzen (wenn Leerrohr schon verlegt)
- Tischlampen, Verlängerungskabel, Steckdosenleisten verwenden
Was Fachbetriebe erledigen müssen
- Neue Unterputz-Steckdosen mit Wanddurchbruch und neuem Kabel
- Erweiterung des Sicherungskreises
- Anschluss an die Unterverteilung
- Neue Stromkreise im Verteilerkasten
- Alle Arbeiten an Hauptleitungen oder Hausanschluss
Option 1: Aufputz-Steckdosen nachrüsten
Wenn bereits ein Leerrohr oder eine Steckdose in der Nähe vorhanden ist, können Aufputz-Steckdosen vergleichsweise einfach nachgerüstet werden. Das Kabel wird sichtbar verlegt (in einem Kabelkanal) und an eine vorhandene Dose oder ein freies Leerrohr angeschlossen.
Diese Lösung ist optisch weniger ansprechend als Unterputz, aber handwerklich einfacher. Bei richtiger Ausführung ist sie normkonform.
Option 2: Unterputz-Steckdosen – immer Fachbetrieb
Das Stemmen einer Unterputzdose, das Verlegen eines neuen Kabels im Putz und der Anschluss an den Verteiler sind Facharbeiten. Ein Elektriker muss außerdem prüfen, ob der vorhandene Stromkreis die zusätzliche Last tragen kann – und ggf. einen neuen Stromkreis anlegen. Nach DIN 18015 sind für Steckdosen-Stromkreise Absicherungen mit B16A und Querschnitte von 2,5 mm² vorgeschrieben.
Option 3: USB-Steckdosen oder Multifunktionsdosen
Wer vorhandene Steckdosen upgraden möchte, kann einfach den Einsatz tauschen: Statt einer normalen Schuko-Steckdose gibt es dann eine Kombination aus Schuko + USB-A + USB-C. Die vorhandene Unterputzdose und das Kabel bleiben erhalten – nur der Einsatz wird gewechselt. Das ist auch für handwerklich begabte Laien machbar.
Versicherungsrechtliche Aspekte
Achtung: Bei einem Elektrobrand kann die Gebäudeversicherung Leistungen verweigern, wenn nicht-normkonforme Eigeninstallationen nachgewiesen werden. Wer Steckdosen selbst nachrüstet, sollte dies von einem Elektriker abnehmen und protokollieren lassen – oder die Arbeit gleich dem Fachbetrieb übertragen.
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