Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

Einziehstäbe für den Kabeleinzug: Glasfaser oder Nylon richtig wählen

Inhaltsverzeichnis

    Einziehstäbe für den Kabeleinzug: Glasfaser oder Nylon richtig wählen

    Wer Leerrohre oder Kabelkanäle nachträglich bestücken muss, kennt das Problem: Ein Kabel lässt sich nicht einfach durch mehrere Meter Rohr schieben, vor allem nicht um Bögen und Abzweigungen herum. Genau hier kommen Einziehstäbe zum Einsatz. Sie werden vom Elektroinstallateur durch das leere Rohr geschoben, am anderen Ende mit dem Kabel verbunden und anschließend zurückgezogen. Welches Material, welche Länge und welches Zubehör für den jeweiligen Einsatz sinnvoll sind, hängt von Rohrlänge, Anzahl der Bögen und der Kabeldicke ab.

    Was ein Einziehstab leistet und wann er gebraucht wird

    Ein Einziehstab ist ein biegsamer, aber ausreichend steifer Stab, der sich durch ein leeres Installationsrohr (Leerrohr) schieben lässt, ohne zu knicken. Am vorderen Ende sitzt meist eine Öse oder ein Haken, an dem das einzuziehende Kabel befestigt wird – häufig über eine Crimp-Zugöse oder ein Zugstrumpf, damit die Zugkraft nicht auf die Aderisolierung wirkt. Typische Einsatzfälle sind die nachträgliche Elektroinstallation in bereits verputzten Wänden, die Erweiterung bestehender Verteilungen oder das Verlegen zusätzlicher Datenleitungen in vorhandenen Leerrohren. Bei kurzen, geraden Strecken reicht oft ein einfacher Einziehdraht, bei längeren Strecken mit mehreren 90°-Bögen ist ein stabiler Einziehstab die deutlich zuverlässigere Wahl. Gerade bei nachträglicher Installation in bewohnten Räumen spart ein passender Einziehstab gegenüber dem Stemmen neuer Schlitze erheblich Zeit und Aufwand – ein Argument, das sich auch gegenüber Kunden gut vermitteln lässt.

    Materialien im Vergleich: Nylon, Glasfaser und Stahl

    Am häufigsten im Handwerk verbreitet sind Einziehstäbe aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) und aus Nylon. Glasfaser-Einziehstäbe sind sehr steif und eignen sich besonders für lange, gerade Strecken sowie für den Einsatz im Außenbereich oder in Kabelschächten, da sie witterungsbeständig und nicht leitfähig sind – ein Vorteil, wenn in der Nähe spannungsführender Teile gearbeitet wird. Nylon-Einziehstäbe sind dagegen flexibler und lassen sich leichter um enge Bögen führen, was sie für die klassische Elektroinstallation im Wohnbau zum Alltagswerkzeug macht. Stahleinziehbänder kommen seltener zum Einsatz, etwa bei sehr langen oder stark beanspruchten Trassen, sind aber schwerer zu handhaben und leitfähig, weshalb bei Arbeiten unter Spannung besondere Vorsicht gilt. Für die meisten Aufgaben im Elektrohandwerk sind Nylon-Einziehstäbe mit 10 bis 30 Metern Länge der praktikabelste Kompromiss aus Preis, Flexibilität und Zugkraft.

    ART-4015469, ART-4015446, ART-4015456

    Länge, Durchmesser und passendes Zubehör

    Die benötigte Länge richtet sich nach der längsten zu bestückenden Leerrohrstrecke zuzüglich eines Sicherheitsaufschlags für Bögen und Übergabestellen – in der Praxis haben sich 15 bis 30 Meter für die meisten Wohn- und Zweckbauten bewährt. Der Durchmesser des Rohrs bestimmt, wie dick der Einziehstab sein darf: Bei Leerrohren mit 16 bis 20 mm Innendurchmesser, wie sie nach DIN 18015 für die häusliche Elektroinstallation üblich sind, kommen meist Stäbe mit 3 bis 4 mm Durchmesser zum Einsatz. Sinnvolles Zubehör sind Crimp-Zugösen zur sicheren Kabelbefestigung, Führungshülsen an Rohrübergängen sowie – bei Glasfaserstäben – Reparaturkleber, mit dem beschädigte oder gebrochene Enden vor Ort wieder tragfähig gemacht werden, ohne den kompletten Stab zu ersetzen. Ein Gleitmittel für das Kabel selbst reduziert zusätzlich die Reibung und schont sowohl Kabelmantel als auch Rohrinnenwand.

    Schritt für Schritt: Kabel sicher durch das Leerrohr ziehen

    Zunächst wird der Einziehstab vom Startpunkt aus vorsichtig durch das Rohr geschoben, bis er am Zielpunkt sichtbar wird – bei Bögen hilft leichtes Drehen des Stabs, um ein Verhaken zu vermeiden. Am austretenden Ende wird das Kabel über eine Crimp-Zugöse oder einen Zugstrumpf fest, aber ohne scharfe Kanten mit dem Stab verbunden. Anschließend zieht eine zweite Person den Stab am Startpunkt gleichmäßig zurück, während am Zielpunkt leicht nachgeschoben wird, um Verkantungen zu vermeiden. Bei längeren Strecken oder mehreren Kabeln gleichzeitig empfiehlt sich ein Gleitmittel sowie eine Zwischenkontrolle an jeder Abzweigdose. Wichtig für die Praxis: Vor dem Einziehen sollte geprüft werden, ob das Leerrohr frei von Bauschutt oder Mörtelresten ist, da diese die Zugkraft erheblich erhöhen und im schlimmsten Fall zum Abriss des Kabels führen können. Wird in der Nähe bestehender, spannungsführender Installationen gearbeitet, gilt zudem: Erst freischalten und die Spannungsfreiheit prüfen, bevor Rohre geöffnet oder Kabel eingezogen werden – die einschlägigen Vorgaben der DIN VDE 0100 zur Elektroinstallation in Gebäuden gelten auch für nachträgliche Arbeiten an Bestandsleitungen.

    ART-4015459, ART-4032126

    Fazit

    Für die meisten Aufgaben in der Elektroinstallation ist ein flexibler Nylon-Einziehstab mit 15 bis 30 Metern Länge die richtige Wahl, während Glasfaserstäbe ihre Stärken auf langen, geraden Strecken und im Außenbereich ausspielen. Wer regelmäßig unterschiedliche Rohrlängen bestückt, fährt mit einem Set aus mehreren Längen und passendem Zubehör wie Crimp-Zugösen und Reparaturkleber am flexibelsten. So lässt sich der Kabeleinzug in Leerrohren sauber, schnell und ohne beschädigte Kabel erledigen.

    Handwerkshop24 Redaktion

    Fachredaktion für Elektroinstallation, Verbindungstechnik, Verteilungsbau und Schalterprogramme.