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Presskabelschuh DIN 46235: Größen, Auswahl und richtig crimpen

Inhaltsverzeichnis

    Presskabelschuh DIN 46235: Größen, Auswahl und richtig crimpen

    Wo flexible oder starre Kupferleiter mit größerem Querschnitt an eine Schraubklemme, eine Sammelschiene oder einen Erdungspunkt angeschlossen werden müssen, kommt fast immer ein Presskabelschuh nach DIN 46235 zum Einsatz. Anders als kleine Aderendhülsen für 0,5 bis 10 mm² ist er für Leiterquerschnitte ab etwa 10 mm² bis in den Bereich von 240 mm² ausgelegt und wird nicht in eine Schraubklemme gesteckt, sondern selbst verschraubt. In diesem Beitrag erklären wir Aufbau, Größenwahl und die normgerechte Verpressung – inklusive der Punkte, an denen in der Praxis am häufigsten Fehler passieren.

    Was ist ein Presskabelschuh nach DIN 46235?

    Ein Presskabelschuh nach DIN 46235 besteht aus einer Pressbuchse (dem Presskabelschuh-Körper aus verzinntem Elektrolytkupfer) und einer angeformten Öse mit definiertem Lochdurchmesser. Über diese Öse wird der Leiter mit einer Schraube – zum Beispiel an einem Erdungsbolzen, einer Sammelschiene oder einem Klemmenblock im Verteilerbau – fest verbunden. Die Norm legt für jeden Leiterquerschnitt einen festen Lochdurchmesser fest, üblich sind M5, M6, M8, M10, M12 und M16. Damit ist sichergestellt, dass ein Kabelschuh mit der passenden Schraubengröße unabhängig vom Hersteller kompatibel bleibt, solange er nach DIN 46235 gefertigt ist. Typische Einsatzorte sind Hauptpotentialausgleich, Erdungsschienen in Zählerschränken und Verteilern sowie Anschlüsse an Generatoren, Motoren oder Photovoltaik-Erdungssystemen.

    ART-2003122, ART-2187708, ART-2003130

    Querschnitt und Lochdurchmesser richtig kombinieren

    Der Leiterquerschnitt bestimmt die Größe der Pressbuchse, der gewünschte Lochdurchmesser (also die Schraubengröße am Anschlusspunkt) bestimmt die Länge und Form der Öse. Ein und derselbe Querschnitt ist deshalb meist mit mehreren Lochdurchmessern erhältlich, zum Beispiel 70 mm² mit M10 oder mit M12. Vor der Bestellung sollten daher immer zwei Werte feststehen: der tatsächliche Leiterquerschnitt (nicht die Kabelaußenmaße) und der Durchmesser der Anschlussschraube am Zielbauteil. Ein zu kleiner Lochdurchmesser lässt sich nicht montieren, ein zu großer verringert die Kontaktfläche und damit die Stromtragfähigkeit der Verbindung spürbar.

    Bei der Materialwahl ist außerdem zu beachten, ob Kupfer- oder Aluminiumleiter angeschlossen werden. Für reine Kupferleiter genügt der verzinnte Kupfer-Presskabelschuh nach DIN 46235; bei Alu-Kupfer-Verbindungen ist zusätzlich eine geeignete Kontaktscheibe beziehungsweise ein Bimetall-Kabelschuh erforderlich, um Kontaktkorrosion durch das unterschiedliche elektrochemische Potenzial der beiden Metalle zu vermeiden. Auch bei reinen Kupferverbindungen im Außenbereich empfiehlt sich ein zusätzlicher Korrosionsschutz der Pressstelle, etwa durch ein geeignetes Kontaktfett oder eine Schrumpfschlauch-Isolierung nach der Montage.

    Presskabelschuhe VDE-konform verpressen

    Damit die Verbindung dauerhaft niederohmig bleibt, muss die Verpressung mit einem für den jeweiligen Querschnitt zugelassenen Presswerkzeug erfolgen – für Querschnitte bis etwa 16 mm² reichen mechanische Presszangen, ab 25 bis 50 mm² sind hydraulische Presswerkzeuge mit Sechskant-Pressprofil üblich. Wichtig ist, dass Presswerkzeug und Presskabelschuh zueinander passen: Ein zu weiches oder falsch geformtes Presswerkzeug führt zu einer unvollständigen Verformung, die Übergangswiderstände und Erwärmung im Betrieb nach sich zieht. Vor dem eigentlichen Crimpen wird der Leiter exakt auf die Hülsenlänge abisoliert, blank verdrillt und bis zum Anschlag in die Pressbuchse geschoben – anschließend wird an der vom Hersteller vorgegebenen Pressstelle, meist mit einer Prägung auf der Hülse markiert, verpresst. Eine sichtbare, gleichmäßige Sechskant- oder Wannenform sowie eine bestandene Zugprobe sind die Kontrollmerkmale einer normgerecht ausgeführten Verbindung im Sinne der einschlägigen VDE-Bestimmungen zur Verbindungstechnik in elektrischen Anlagen. Mehrfachverpressungen an derselben Stelle oder ein Nachbiegen der fertigen Hülse sollten unterbleiben, da beides das Gefüge des Kupfers schwächt.

    Presskabelschuh oder Aderendhülse – was passt wann?

    Presskabelschuhe und Aderendhülsen werden häufig verwechselt, lösen aber unterschiedliche Anschlussaufgaben. Aderendhülsen nach DIN 46228 enden in einer Schraub- oder Federkraftklemme und decken typischerweise 0,5 bis 10 mm² ab; wie sie richtig verarbeitet werden, haben wir bereits in unserem Ratgeber zu Kabelschuhen und Aderendhülsen beschrieben. Presskabelschuhe nach DIN 46235 kommen dagegen zum Einsatz, sobald der Leiter direkt verschraubt statt geklemmt wird, und decken auch deutlich größere Querschnitte bis 240 mm² ab, wie sie etwa in Verteilerbau und Erdungsanlagen vorkommen. Für den Übergang von größeren zu kleineren Anschlussdurchmessern gibt es zudem sogenannte Rohrkabelschuhe ohne Sichtloch, die sich besonders für Erdungsverbindungen eignen, bei denen keine Sichtprüfung der Verpressung über ein Loch erforderlich ist.

    ART-4029863, ART-4043017, ART-2187805

    Fazit

    Presskabelschuhe nach DIN 46235 sind die richtige Wahl, sobald ein Leiter verschraubt statt geklemmt werden muss und der Querschnitt über den typischen Aderendhülsen-Bereich hinausgeht. Entscheidend für eine sichere Verbindung sind die passende Kombination aus Leiterquerschnitt und Lochdurchmesser, das zum Querschnitt passende Presswerkzeug und eine saubere, normgerechte Verpressung. Wer diese drei Punkte beachtet, vermeidet Übergangswiderstände, Erwärmung und im schlimmsten Fall einen Ausfall der Verbindung.

    Handwerkshop24 Redaktion

    Fachredaktion für Elektroinstallation, Verbindungstechnik, Verteilungsbau und Schalterprogramme.